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Gutes Reden

Tipps & Tricks für Beruf und Studium

Der Erfolg einer Präsentation, Rede oder eines Vortrages hängt von vielen Faktoren ab, unter anderem davon …

  • wie die persönliche Situation der Teilnehmer ist (z. B. Interesse für das Thema, Hunger ...),

  • wie die Umgebungsbedingungen sind (z. B. Raumtemperatur),

  • wie „gut“ und interessant die Inhalte sind oder

  • wie „gut“ die eingesetzten Medien sind.

 

Das heißt: Anlass, Inhalte, Mediengestaltung, Umgebungsbedingungen, Anzahl und Interesse der Zuhörer sowie weitere Faktoren sind wichtig, damit Sie mit Ihrer Präsentatioin, Rede bzw. Ihrem Vortrag Ihre Ziele bestmöglich erreichen. Eine zentrale Rolle spielt jedoch die Art und Weise, wie Sie vortragen! Mit meinen folgenden Tipps und Tricks werden Sie Ihre rhetorischen Fähigkeiten sicherlich verbessern können. Viel Erfolg dabei wünscht Ihnen

 

Prof. Dr. Martin-Niels Däfler 

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Das menschliche Gehirn ist eine großartige Sache.

Es funktioniert vom Augenblick der Geburt an bis zu dem Augenblick,

wo du aufstehst, um eine Rede zu halten.

Mark Twain, 1835 – 1910, amerikanischer Schriftsteller

1. Vergessen Sie die gängigen Empfehlungen gegen „Lampenfieber“

Ich halte nichts von Tipps der Art „Stellen Sie sich Ihr Publikum in Unterhosen vor“ oder Ähnlichem. Natürlich ist es nicht schädlich, wenn Sie sich kurz vor Ihrem Einsatz ans geöffnete Fenster stellen und ein paar Mal bewusst durchatmen. Auch kann es hilfreich sein, sich an ein heiteres Erlebnis zu erinnern, um so positiv gestimmt ans Rednerpult zu treten. Doch aus eigener Erfahrung und den Kommentaren vieler Redner weiß ich: Es gibt kein Patentrezept gegen die Nervosität vor dem Auftritt. Nach meiner Meinung gibt es nur ein wirksames Mittel: Seinen Stoff beherrschen und Üben. Im Englischen sagt man so kurz wie treffend:

Know your shit! 💩

 

Es ist wie im Sport und in vielen anderen Lebensbereichen – wer etwas häufig genug trainiert, der erlangt Erfahrung, Routine und damit Gelassenheit.

2. Trainieren Sie Ihre Körpersprache 

Redner

Kommunikation bedeutet weit mehr als den Austausch von Worten. Ungefähr zwei Drittel aller Informationen werden nicht über die Sprache vermittelt, sondern über andere „Kanäle“. Dazu zählen

  • Blickverhalten (Blickkontakt),

  • Gesichtsausdruck (Mimik),

  • Körperhaltung und Körperbewegung (Gestik),

  • Berührung (Taktilität) und

  • die räumliche Entfernung zur anderen Person. 

 

Experimente haben gezeigt, dass Zuschauer von Fernsehsendungen zwischen 50 und 60 Prozent des Gesprochenen erraten, wenn sie – ohne zuzuhören – nur die Gesten interpretieren. Auch der Klang unserer Stimme und die Lautstärke haben sehr viel Einfluss darauf, ob und was der Andere versteht. Damit ist klar: Die Körpersprache ist mindestens genauso wichtig wie die verbale Sprache. Sie hilft der Verständigung, denn die nonverbalen Signale geben dem Gesprächspartner Hinweise darauf, was das Gesagte tatsächlich bedeutet. Dabei ist die Körpersprache oft ehrlicher als das gesprochene Wort, weil wir sie nur teilweise beeinflussen können. Deshalb kommt es häufig zu Differenzen zwischen Gesprochenem und Gezeigtem.

 

Das Ziel sollte sein, die Körpersprache bewusst zu verwenden, sie jedoch nicht gekünstelt einzusetzen oder gar mit ihrer Hilfe die Zuhörer zu manipulieren. Am wichtigsten ist es stets, authentisch zu bleiben.

 

Der Mensch neigt dazu, Spannungszustände seiner Gesprächspartner selbst anzunehmen („interne Simulation“)
 – je entspannter Sie
 sind (wirken), desto
 entspannter sind 
Ihre Zuhörer!

Vermeiden Sie eine negative Körpersprache:

  • Arme verschränken

  • Hände hinter den Rücken legen

  • Hände hängen lassen

  • Hände in die Taschen stecken

  • weit ausholende Gesten

  • Gesten oberhalb der Schultern

  • Gesten unterhalb des Bauchnabels („rhetorische Null-Linie“) 

  • Gesten von außen zum Körper hin

Benutzen Sie eine positive Körpersprache:

  • Achten Sie auf ein gepflegtes Äußeres (Kleidung, Frisur, Accessoires).

  • Suchen Sie häufigen Blickkontakt, denn wenn man angeblickt wird, fühlt man sich beachtet. Aber schauen Sie Ihrem Publikum nicht direkt in die Augen, sondern auf die Nasenwurzel oder Stirn (sonst fühlt sich der Betrachtete bedroht). Es gibt Experten, die empfehlen, 90 Prozent der Redezeit Blickkontakt zu halten. Ich halte dies für übertrieben, und in der Praxis wird dies auch kaum jemand erreichen. Viel wäre aber schon gewonnen, wenn Sie die Hälfte der Redezeit Augenkontakt halten könnten.

  • Halten Sie die Hände auf Bauchnabelhöhe und die Handinnenflächen nach oben.

  • Führen Sie Gesten vom Körper nach außen.

  • Achten Sie auf eine asymmetrische Gestik, das heißt beide Arme oder Hände sollten nicht das Gleiche tun.

  • Führen Sie Gesten bewusst verlangsamt und nicht hektisch aus.

  • Sitzen Sie aufrecht, gerade und ohne Verkrampfungen.

  • Stehen Sie fest, aber nicht steif. Stellen Sie beide Füße auf den Boden, etwa hüftbreit, und strecken Sie die Knie durch. Ihr Becken und Ihre Schultern sollten sich auf einer gedachten Linie befinden. Spannen Sie Ihre Gesäßmuskeln leicht an. Dabei hilft es sich vorzustellen, Sie würden wie eine Marionette an Fäden nach oben gezogen.

  • Versuchen Sie, jederzeit Ruhe auszustrahlen.

  • Richten Sie sich zur vollen Höhe auf, wenn Sie durch eine Tür in den Vortrags- bzw. Präsentationsraum schreiten, und gehen Sie mindestens ein bis zwei Meter in den Raum hinein. Gehen Sie zügig, aber ohne Eile, zum Rednerpult.

  • Wenden Sie dem Publikum nie den Rücken zu, insbesondere bei Präsentationen. Wenn Sie eine Flip-Chart- oder Tafelanschrift machen: Sprechen Sie nicht, während Sie schreiben („Talk-Turn-Talk-Regel“)

  • Heben Sie Übergänge zwischen einzelnen Abschnitten durch Bewegungen hervor – gehen Sie zum Beispiel ein paar Schritte zur Seite.

  • Beachten Sie außerdem: Ihre Rede oder Präsentation endet nicht mit den letzten Worten, sondern erst nach Ihrem Abgang. Das Publikum beobachtet Sie genau. Kehren Sie daher bewusst und souverän zum eigenen Platz zurück.

3. Achten Sie auf Ihre Sprechtechnik

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  • Sprechen Sie laut, vor allem die ersten und letzten Sätze Ihrer Rede.

  • Lutschen Sie vor einer Rede ein Bonbon und trinken Sie viel, um Kehlkopf und Stimmbänder „geschmeidig“ zu machen.

  • Räuspern Sie sich nicht, denn darunter leiden die Stimmbänder. Besser ist es zu husten oder zu gähnen.

  • Versuchen Sie stets, am Ende eines Satzes Ihre Stimme zu senken. Dies gilt insbesondere, wenn Sie seriöse Inhalte zu vermitteln haben: Imitieren Sie dann am besten Nachrichtensprecher, deren Satzmelodie dadurch gekennzeichnet ist, dass sie zum Schluss abfällt.

  • Einatmen heißt Spannung aufnehmen und Ausatmen heißt Spannung abgeben – atmen Sie also bewusst und kräftig aus.

  • Reden Sie langsam. Es gibt zwar Rhetoriktrainer, die empfehlen, schneller als normal zu sprechen, weil der Referent dann glaubwürdiger wirken würde. Das mag zwar stimmen, doch was nützt eine höhere Glaubwürdigkeit, wenn die Zuhörer die Inhalte wegen eines zu hohen Sprechtempos nicht verstehen können? Meine Empfehlung daher: Sprechen Sie tendenziell etwas langsamer als normal, ohne dabei Ihr Publikum einzuschläfern. Variieren Sie daher gelegentlich Ihre Sprechgeschwindigkeit, werden Sie also durchaus auch mal für eine kurze Zeit etwas schneller.

  • Machen Sie genügend Sprechpausen, mindestens zwei Sekunden lang. Dies ist eines der wirkungsvollsten rhetorischen Stilmittel.

  • Betonen Sie vor allem die Vokale und sprechen diese besonders deutlich aus.

  • Betonen Sie neue Informationen.

  • Vermeiden Sie „Denkfüller“ („äh“, „hm“, „ahm“, „ja“, „also“).

  • Vermeiden Sie „Frageanhängsel“ („oder?“, „nicht wahr?“, „okay?“).

  • Versuchen Sie, möglichst frei zu reden. Das heißt konkret: Heben Sie mindestens nach jedem zweiten Satz den Kopf und stellen Sie Blickkontakt zum Publikum her. Wie oben gesagt: Gut wäre es, mindestens während der Hälfte der Redezeit das Publikum anzuschauen.

  • Kontrollieren Sie vorher, ob die Technik bzw. das Mikrofon funktioniert (Sprechprobe).

  • Vergewissern Sie sich am Anfang, dass Sie gut verstanden werden.

4. Kommen Sie dem Publikum nahe

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  • Die Zuhörer wollen sehen, wer da zu Ihnen spricht. Schalten Sie nicht das Licht aus. Halten Sie Ihren Vortrag im Hellen. Der Hintergrund dieser Empfehlung: Je heller der Raum ist, desto langsamer ermüden die Zuhörer.

  • Verschanzen Sie sich nicht hinter einem Rednerpult. Zweifelsfrei sorgt eine Kanzel oder ein Rednerpult für Autorität. Doch der Nachteil wiegt schwerer, denn unterbewusst erinnert ein Pult an Schulzeiten oder an Kirchenbesuche: Wer vorne steht und spricht, ist der „Lehrmeister“, wir sind die „Schüler“. 

  • Nähe zum Publikum erreichen Sie, wenn Sie auf solche Barrieren verzichten. Entweder Sie sagen dem Veranstalter, dass ein eventuell vorhandenes Pult entfernt wird, oder – sofern dies nicht geht – Sie stellen sich daneben.

  • Insb. vor großem Publikum bzw. in einem großen Saal: Beschreiben Sie ein „M“ (das heißt: Wechseln Sie die Raumseiten, indem Sie auf das Publikum zugehen und sich dann wieder (in der Mitte) entfernen).

5. Wehren Sie Angriffe" der Zuhörer geschickt ab

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Häufig wird man als Redner in einer Diskussions- oder Fragenrunde mit Vorwürfen konfrontiert. Wenn Ihnen partout keine sinnvolle Antwort auf den Vorwurf eines Zuhörers einfällt, dann nutzen Sie eine der folgenden Techniken, um Angriffe zu erwidern. Üben Sie zwei oder drei dieser Methoden immer wieder, damit Sie in heiklen Situationen routiniert auftreten.

  • Wehren Sie Vorwürfe und Gegenargumente ab, indem Sie sich räumlich distanzieren und einen Schritt zurück treten.

  • Personen, die Ihnen ganz offensichtlich schaden wollen und Sie mit ungerechtfertigten Vorwürfen konfrontieren, bringen Sie leichter zum Schweigen, wenn Sie deren Namen nennen: „Das Argument, das Sie nennen, Herr Baumgartl, ist …“

  • Stellen Sie eine Alternativfrage. Geben Sie dabei lediglich zwei Möglichkeiten an, die alles andere ausschließen: „Wollen wir meinen Vorschlag umsetzen oder abwarten, bis …?“

  • Stellen Sie eine Gegenfrage. Dies ist ein sehr beliebtes und höchst effizientes Mittel, um Angriffe zu kontern beziehungsweise Nichtwissen zu kaschieren. Statt eine Antwort zu geben, stellen Sie also einfach selbst eine Frage: „Wie würden Sie denn dieses Problem lösen?“

  • Wenden Sie die Kehrseitenmethode an. Verstärken Sie zuerst das Gesagte, setzen Sie dann aber klar das Unterschiedliche ab: „Ich stimme Ihnen ja zu, aber …“

  • Übertreiben Sie. Machen Sie den Einzelfall zur Regel und verallgemeinern Sie gnadenlos: „Baut ein Mitarbeiter Mist, dann hat gleich die ganze Abteilung versagt.“

  • Weichen Sie aus. Sprechen Sie ein ganz anderes Gebiet an und lenken Sie damit vom eigentlichen Thema ab: „Denken Sie doch einmal an den Vertrieb, und sprechen Sie nicht nur von Kosten.“

  • Stimmen Sie dem Vorwurf in übertrieben-witziger Weise zu. Auf den Vorwurf „Sie haben Ihr Budget überzogen“ Könnten Sie etwa antworten: „Ja, ich hatte sogar vor, jedem Mitarbeiter einen Ferrari zu kaufen.“

  • Stimmen Sie dem Vorwurf in natürlich-sachlicher Weise überraschend zu. Den Vorwurf „Sie können ja gar nicht präsentieren“ könnten Sie zum Beispiel so kontern: „Ja, damit hatte ich schon an der Universität große Probleme.“

  • Seien Sie diplomatisch. Danken Sie dem Kritiker für seinen Hinweis und verzichten Sie darauf, Stellung zu beziehen. Seien Sie dabei besonders höflich und nicht arrogant im Ton: „Sie haben recht, wir verdanken dem viel. Lassen Sie mich auch …“

  • Wenden Sie die Isolierungsmethode an. Stellen Sie den Gegner als Außenseiter dar: „Nur die Uneinsichtigen behaupten, dass …“ Aber, bitte, bitte: Nutzen Sie dieses Vorgehen nur im äußersten Notfall, denn eigentlich ist das kein guter Stil.

 

Ich wünsche Ihnen maximalen Erfolg bei Ihrer nächsten Präsentation, Rede oder Ihrem nächsten Vortrag!

Ihr

Martin-Niels Däfler